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Neu auf der Kanzel

10.11.2022

Neu auf der Kanzel: Ulrike Tetzlaff wurde in der Ev. Kirchengemeinde Oberrahmede neu als Prädikantin durch Superintendent Dr. Christof Grote eingeführt. (Foto: Iris Kannenberg)
Neu auf der Kanzel: Ulrike Tetzlaff wurde in der Ev. Kirchengemeinde Oberrahmede neu als Prädikantin durch Superintendent Dr. Christof Grote eingeführt. (Foto: Iris Kannenberg)

OBERRAHMEDE + Die evangelische Kirche Oberrahmede hatte allen Grund, an diesem 6. November 2022 zu feiern. Der Obdachlosenfreundeskreis (OFK), den die 2020 verstorbene Pfarrerin Monika Deitenbeck gründete, wurde 30 Jahre alt und Ulrike Tetzlaff, die vor kurzem beim OFK eine Teilzeitstelle übernommen hat, wurde an diesem Tag von Superintendent Dr. Christof Grote in ihr Amt als ehrenamtliche Prädikantin eingeführt. Zudem anwesend waren Michael Siol, der neue Pfarrer der Oberrahmede und Thorsten Brinkmeier, der die Schwester-Gemeinde am Dickenberg leitet.

 

Ulrike Tetzlaff ist eine selbstbewusste, taffe Frau, die offensichtlich keinerlei Angst vor dem großen Aufgabenbereich hat, den sie in der Gemeinde stemmt. Als Ehefrau und Mutter, ausgebildete Pädagogin und Musikerin, hat sie zudem bereits im missionarischen Dienst die ganze Welt bereist. Was sollte sie noch aus der Fassung bringen? Sie war für alle sichtbar der strahlende Mittelpunkt dieses Gottesdienstes, voller Freude auf ihre Einsegnung und die Arbeit, die sie beim OFK übernehmen darf.

Superintendent Grote machte deutlich: „Wir sind dankbar, dass Ulrike Tetzlaff sich zur Verkündigung des Wortes bereit erklärt hat.“ (Foto: Iris Kannenberg)
Superintendent Grote machte deutlich: „Wir sind dankbar, dass Ulrike Tetzlaff sich zur Verkündigung des Wortes bereit erklärt hat.“ (Foto: Iris Kannenberg)

Superintendent Dr. Christof Grote fasste ihr Engagement treffend so zusammen: „Ulrike Tetzlaff hat ihre geistliche Heimat in der Gemeinde Oberrahmede gefunden. Prädikantin und Teilzeitstelle beim Obdachlosenfreundeskreis. Ganz schön viel. Wir sind dankbar, dass sie sich zur Verkündigung des Wortes bereit erklärt hat. Sie ist eine Powerfrau, die sich mit Begeisterung für Jesus einsetzt. Sie hat eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen, in die wir sie heute offiziell einsetzen. Danke herzlich dafür im Namen der Landeskirche und des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg. Den Dienst für Jesus kann man nicht hoch genug einschätzen. Jedoch: Aus eigener Kraft kommen wir schnell an unsere Grenzen. Gott muss seinen Geist dazu geben, damit gelingt, was wir uns in seinem Namen wünschen. Wie schon Jesaja in Kapitel 55,11 sagte: „Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“ Ich wünsche Ulrike Tetzlaff, dass sie immer an der Hand Gottes geht und ihn in alles einbezieht. Dann wird ihr Dienst gesegnet sein.“

 

Nach den Worten des Superintendenten wurde die neue Prädikantin von ihm selbst, Pfarrer Michael Siol, Pfarrer Thorsten Brinkmeier, Küsterin Lilo Meister und Presbyter Michael Knechtel eingesegnet und beschenkt. Vom OFK erhielt sie zudem einen großen Geschenkekorb, über den sie sich sehr freute.

Nach der Einsegnung war Zeit für ihre Predigt. (Foto: Iris Kannenberg)
Nach der Einsegnung war Zeit für ihre Predigt. (Foto: Iris Kannenberg)

Nach der Einsegnung war Zeit für ihre Predigt. Ulrike Tetzlaff sprach über die Herausforderungen unserer Zeit.

 

„Ich habe gerade noch mit jemandem geredet, der sagte, „Ich ertrage keine schlechten Nachrichten mehr.“ Ich konnte ihn verstehen, denn von der Politik kommen mehr schlechte als gute Informationen. So meinte Friedrich Merz, wir hätten den Zenit des Wohlstandes überschritten. Ich frage mich indes: Was genau bedeutet das? Welchen Zeiten gehen wir entgegen? Tatsache ist, dass allein in Lüdenscheid bereits 80 Menschen bei der Caritas gemeldet sind, die keine Wohnung mehr haben und keine Adresse für ihre Post. Darunter immer mehr junge Leute und Frauen. Tendenz steigend. Wie gehen wir damit um? Vielleicht hilft uns dabei der heutige Predigttext aus Lukas 17, 20+21: Da er (Jesus) aber gefragt ward von den Pharisäern: „Wann kommt das Reich Gottes? Jesus antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden. Man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“

 

Das Reich Gottes sei nicht lokal zu greifen. Man könne es nicht richtig erfassen und sei von Menschen nicht zu kontrollieren. Das Reich Gottes sei mitten unter uns, und getragen von uns, da wir seine Menschen sind. Gottes Plan vom Reich Gottes seien wir. Es gehe immer wieder darum, den Nächsten zu lieben. Das einzige Gebot, das Jesus uns gegeben hat. „Heute feiern wir 30 Jahre Obdachlosenfreundeskreis. Monika Deitenbeck ist vor 30 Jahren losgezogen, weil der Zustand für obdachlose Menschen in unserer Stadt ihr Herz gebrochen hat. Sie wollte etwas ändern. Sie hat damals Wohnungen besorgt und Gelder generiert. Sie war eine Frau Gottes aber eben auch eine Frau der Tat. Mit einem unglaublich großen Herz und viel Liebe für die Bedürftigen. Heute gibt es immer noch ein wunderbares Team, das diese Arbeit trägt. Alles Ehrenamtliche, die ihre Zeit für ihre Überzeugung opfern, dass Gott gerade diese Menschen liebt. Montagabend treffen wir uns in unserem Bistro (Erlöserkirche). Dort essen wir gemeinsam und erzählen von Jesus. Dann herrscht immer eine heilige Stille. Wenn wir beten, spüre ich, dass da Menschen sind, die das richtig aufsaugen.

Vom Obdachlosenfreundeskreis erhielt die frisch in ihr Amt eingeführte Prädikantin einen Geschenkkorb. (Foto: Iris Kannenberg)
Vom Obdachlosenfreundeskreis erhielt die frisch in ihr Amt eingeführte Prädikantin einen Geschenkkorb. (Foto: Iris Kannenberg)

Wir setzen auf unkonventionelle Hilfe. Microkredite, Wohnungssuche, Unterstützung bei Möbeln und Essen. Die Not in Lüdenscheid ist groß. Trotzdem: Wir wollen niemanden zu einem Opfer machen, sondern einfach helfen. Dabei werden wir durch viele Spenden unterstützt, ohne die diese Arbeit nicht möglich wäre. Monika Deitenbeck sprach immer von ihren „Goldschätzen“. Sie hatte recht. Wohlstand definiert sich nicht über Reichtum, sondern über Menschen. Dieses Gold sind wir. Die, die helfen, wo auch immer geholfen werden muss. Gottes Leidenschaft sind Menschen. Ich finde, das ist eine wirklich gute Nachricht.“

 

Abschließend nach dieser beeindruckenden Predigt gratulierte Pfarrer Michael Siol zum 30-jährigen Bestehen des OFK und Pfarrer Thorsten Brinkmeier unterstrich: „Die Arbeit für und mit Obdachlosen ist gelebtes Evangelium. Das war Monika Deitenbecks Herzensziel. Eine große Herausforderung. Wir dürfen nicht vergessen, dass während Corona eine weitere große Hürde zu meistern war: Die Einsamkeit. Stellvertretend für alle Mitarbeiter möchte ich daher ein großes Dankeschön an alle aussprechen, die sich gerade in dieser Zeit engagiert haben.“

 

Nach der Predigt, Dankesworten und Ehrungen an die Mitarbeiter des OFK, endete der Gottesdienst mit dem „Vater Unser“ und dem aaronitischen Segen. Danach ging es im Café der Gemeinde weiter mit einem kleinen Sektempfang und warmem Essen. Alles in allem ein berührender Gottesdienst, der die Aufmerksamkeit gezielt auf die Ärmsten der Armen lenkte. Ulrike Tetzlaff sei gewünscht, dass sie ihre herausfordernden Arbeiten an Gottes Hand erfüllen kann. Sie ist nicht allein und erfährt viel Unterstützung durch die Gemeinde und ihre Familie. Sie wird ihren Weg machen und ein Segen sein. Ohne Zweifel. ©ik

Alles in allem ein berührender Gottesdienst, der die Aufmerksamkeit gezielt auf die Ärmsten der Armen lenkte. (Foto: Iris Kannenberg)
Alles in allem ein berührender Gottesdienst, der die Aufmerksamkeit gezielt auf die Ärmsten der Armen lenkte. (Foto: Iris Kannenberg)

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